Report: Weibliche Freelancer verdienen auf Upwork&Fiverr 50% weniger als Männer

Report: Weibliche Freelancer verdienen auf Upwork&Fiverr 50% weniger als Männer

Shira Stieglitz
Shira Stieglitz
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Das Lohngefälle ist ein weitläufig diskutiertes Thema, da Frauen weltweit nur 77 Cent für die gleiche Arbeit verdienen, für die Männer 1 Euro erhalten. Leider scheint es, als ob diese geschlechtsspezifische Verzerrung auf den diversen Freelancer-Plattformen im Internet noch stärkere Ausmaße annimmt.

Untersuchungen von Website Planet (WSP) haben kürzlich ergeben, dass weibliche Freiberufler auf zwei der am häufigsten genutzten und angesehensten Freelancer-Plattformen, Upwork und Fiverr, deutlich weniger (in manchen Fällen nur die Hälfte) verdienen als Männer. Für Frauen, die in der sogenannten„Gig Economy“ ihren Lebensunterhalt bestreiten und auf diese Plattformen angewiesen sind, um Jobs zu finden, ist dies natürlich keine gute Nachricht.

Ein genauerer Blick auf die Einkommenssituation von Freiberuflern

Für diejenigen, die es nicht wissen, Upwork und Fiverr sind beides Plattformen für die Rekrutierung von Freelancern für verschiedene Branchen und Dienstleistungen, wie z.B. redaktionelle Arbeiten, Grafik-Design, Assistenzarbeiten und Web-Entwicklung.

Beide Plattformen unterscheiden sich allerdings etwas in ihrer Funktionsweise:

  • Bei Upwork bieten die Freelancer aktiv auf Projekte. Ein Auftraggeber veröffentlicht einen Job, auf welchen sich die Nutzer der Plattform dann bewerben und entweder einen Stundensatz oder einen Gesamtpreis für das gesamte Projekt anbieten können. Nach Prüfung der Bewerber wird der Auftraggeber dann eines der Angebote auswählen und einen Vertrag mit dem jeweiligen Freelancer eingehen.
  • Auf Fiverr läuft es im Grunde anders herum.Freelancer präsentieren sich und ihre Fähigkeiten und geben Preise für die von ihnen angebotenen Arbeiten an. Kunden, die jemandem suchen, der für sie eine bestimmte Aufgabe erfüllt, können nach qualifizierten Personen suchen und sich dann mit einer Beschreibung der zu erfüllenden Aufgabe direkt an den oder die Freelancer wenden.

WSP untersuchte 121 Profile auf Upwork und 116 Profile auf Fiverr in einigen der beliebtesten Jobkategorien wie:

  • Kreatives Schreiben (Web-Content)
  • Vertrieb und Marketing
  • Rechnungswesen und Beratung
  • Video-Produktion
  • IT (Web, Mobile, Software-Entwicklung)
  • Kunden-Support

Neben der Recherche der Freelancer-Profile und der angegebenen Stundensätze wurden auch die bisherige Job-Historie sowie die Bewertungen der abgeschlossenen Projekte (soweit möglich) berücksichtigt. In allen Jobkategorien wurde eine gleichmäßige Aufteilung zwischen Männern und Frauen mit vergleichbarem Berufs- und Bildungshintergrund und vergleichbarem Erfahrungsschatz vorgenommen. Es wurden nur Freelancer aus den Vereinigten Staaten in die Bewertung einbezogen.

Auch in der digitalen Welt zeichnet sich ein deutlicher Verdienstunterschied zwischen den Geschlechtern ab

Im Durchschnitt verzeichneten Männer in den verschiedenen Branchen bei Upwork 57% mehr Einnahmen pro Stunde als Frauen. Diese Ungleichheit ist bei Fiverr noch extremer, wo Männer typischerweise etwa 80% mehr für vergleichbare Dienstleistungen verlangen.

Die befragten männlichen und weiblichen Freelancer hatten ähnliche Job-Erfolgsquoten, die höchstens um einen oder zwei Prozentpunkte variierten (typischerweise zugunsten der Frauen). Frauen hatten außerdem tendenziell eine etwas längere Historie auf den Freelance-Plattformen, obwohl der Unterschied hier nicht wesentlich war (2,32 im Vergleich zu 2,07 Jahren). Dies ist insofern wichtig, als es dabei hilft, einige mögliche Faktoren auszuschließen, die ein solches Lohngefälle rechtfertigen würden: Qualität und Erfahrung.

Bei beiden Faktoren schien es jedoch keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern zu geben.Die Untersuchung ergab außerdem, dass sowohl männliche als auch weibliche Freelancer im Verlauf ihrer Nutzung der Plattform ihr Gehalt um etwa ein Drittel erhöhten. Dies ist durchaus sinnvoll, wenn sich nach einiger Zeit positive Bewertungen und abgeschlossene Jobs angesammelt haben. Viele Freelancer tendieren dazu, ihre eigene Leistungen zu Beginn zu niedrig zu bewerten, was nicht selten aber auch damit zusammen hängt, dass es extrem schwierig ist, den „ersten Job“ zu landen.

Frauen steigen grundsätzlich schon mit niedrigeren Stundenlöhnen ein und sind dann nicht in der Lage, diesen Unterschied auf Dauer wieder auszugleichen. Auch Männer bieten ihre Leistung zu Anfang unter dem angebrachten Preis an. Dieser liegt aber zu diesem Zeitpunkt schon über dem Preis, den Frauen aufrufen, nachdem Sie erste Jobs absolviert und an Erfahrung gewonnen haben. Man kann also festhalten: Frauen bieten ihre Arbeitsleistung von Beginn an billiger an und holen diesen Rückstand später auch nicht mehr auf.

Sowohl auf Upwork als auch auf Fiverr gibt es aber auch Kategorien, in denen Frauen teilweise mehr verdienen als Männer. Konkret sind das Autoren- und SEO-Arbeiten. Allerdings fällt der Unterschied hier nicht wirklich groß aus. Auf Upwok verzeichnen männliche Autoren z.B. 93% der Einnahmen, die ihre weiblichen Pendants kassieren. Dem gegenüber verdient ein Mann, der Buchhaltungs- oder Beratungsdienste anbietet, 219% von dem, was eine Frau im gleichen Segment verdient.

Worin ist dieser Unterschied begründet und wer hat Schuld daran?

Wenn wir über geschlechtsspezifische Unterschiede am Arbeitsplatz lesen, ist die erste Reaktion vieler Leute, die Firma zu beschuldigen: Wie kann es ein Unternehmen rechtfertigen, unterschiedliche Gehälter an Männer und Frauen in der gleichen Position zu zahlen?

Aber was ist, wenn keine festen Tarifvereinbarungen bestehen, und der Bewerber selbst dafür verantwortlich ist, sein Gehalt zu verhandeln? Stehen Unternehmen in diesem Fall in der Verantwortung? Kaum jemand wird erwarten, dass ein Unternehmen Bewerbern mehr zahlt, als sie verlangen. Wir wissen nur zu gut, dass Unternehmen heutzutage in erster Linie ihren Aktionären und Anteilseignern verpflichtet sind. Sie versuchen, das perfekte Gleichgewicht zwischen Kosten und Qualität zu finden. Wenn sie das gleiche Produkt zu geringeren Kosten herstellen können, kann ihnen niemand verübeln, dass sie diese Chance ergreifen.

Die Quintessenz ist, dass Frauen deshalb weniger bezahlt wird, weil sie ihre Leistung auf den Plattformen von vornherein selbst zu einem geringeren Preis anbieten – entweder weil sie ihre Fähigkeiten als nicht so wertvoll einschätzen oder weil sie – aus welchen Gründen auch immer – glauben, dass sie eine niedrigere Rate anbieten müssen, um eine reale Chance auf den Job zu haben.

Im traditionellen Arbeitsumfeld sind Frauen zu ihrem beruflichen Nachteil meist sehr zurückhaltend, was finanzielle Forderungen betrifft. Es ist ausreichend dokumentiert, dass Frauen viel seltener während eines Personalgesprächs um eine Gehaltserhöhung bitten, weil sie nicht als gierig oder übermäßig aggressiv angesehen werden wollen. Frauen bewerben sich außerdem seltener für eine offene Position, bei welcher sie nicht alle in der Jobbeschreibung geforderten Kriterien erfüllen. Männer tun dies hingegen schon, wenn sie das Gefühl haben, sich in das beschriebene Tätigkeitsfeld einarbeiten zu können.

Es scheint, als würde dies auch auf Frauen in der digitalen Arbeitswelt zutreffen. Dadurch, dass sie ihre Fähigkeiten niedriger einschätzen, bieten Frauen ihre Arbeitsleistung zu niedrig an und erhalten dementsprechend auch eine geringere Vergütung.

Und was kann ich als Frau nun mit dieser Information anfangen?

Die modernen Rekrutierungs-Plattformen des digitalen Zeitalterswurden ursprünglich dafür angepriesen, die geschlechterspezifischen Unterschiede bei der Vergütung aufzuheben – ermöglichen sie es den Unternehmen doch, rein auf Grundlage der Fähigkeiten nach qualifizierten Kandidaten zu suchen und oberflächliche Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Rasse weitgehend aus der Entscheidungsfindung auszuschließen.

Da diese Arten von Vermittlungsplattformen jedoch bisher weitgehend aus der Debatte über das Lohngefälle ausgeschlossen waren, wurde von Seiten der Gesetzgebung auch noch nichts unternommen, um dieser Diskrepanz entgegenzuwirken und Anreize für gleiche Bezahlung auf den Plattformen zu schaffen. Da viele der Nutzer Studenten sind, welche die Freelancer-Webseiten als Möglichkeit nutzen, vor dem formellen Einstieg in den Arbeitsmarkt Erfahrungen zu sammeln, besteht vielmehr die Gefahr, dass Frauen schon früh mit diesen Verdienstunterschieden konfrontiert werden und diese später auch im Berufsleben als alternativlos hinnehmen.

Sollten sich Frauen also unter geschlechtsneutralen Namen wie Alex oder Casey anmelden und ihren Bruder bitten, für das Profilfoto zu posieren, bevor sie auf Jobs bieten? Hoffen wir, dass es nicht soweit kommt.

Zu allererst sollten Frauen – und nicht nur die – darauf achten, dass sie über ein möglichst überzeugendes Freelancer-Profil verfügen, dass die geforderten Stundensätze rechtfertigt.

  • Recherchiere im Vorfeld: Schau während der Einrichtung Deines Profils nach, was die besten und erfolgreichsten Freelancer in Deinem Bereich für Stundensätze aufrufen; Finde diejenigen mit vergleichbarer Erfahrung und Referenzen und passe Dich an diese an (denke daran, dass Du den Stundensatz später immer noch erhöhen kannst!)
  • Stelle Deine Alleinstellungsmerkmale heraus:Konzentriere Dich in Deinem Profil oder Deinen Bewerbungen darauf, herauszustellen, was Dich von der Konkurrenz unterscheidet (unabhängig vom Geschlecht) und welchen Mehrwert Du dem Projekt oder Unternehmen bietest.
  • Sei stolz auf Deine Arbeit und Deine Erfahrung:Es mag zwar auf den ersten Blick prahlerisch wirken, sich selbst ausschließlich positiv darzustellen, aber letztlich wollen die Auftraggeber Freelancer anheuern, die qualitativ hochwertige Arbeit leisten können. Stelle beeindruckende Arbeitsproben bereit, die Deine Expertise beweisen und den Auftraggebern ein Gefühl dafür vermitteln, was sie von Dir erwarten können.
  • Bitte um detaillierte Bewertungen: Wenn Du einen Auftraggeber zufriedenstellen konntest, dann bitte ihn, eine detaillierte Bewertung abzugeben, nachdem der Job abgeschlossen wurde. Viele Auftraggeber geben einfach “fünf Sterne”, ohne auf weitere Details einzugehen, aber auf diesen Plattformen sind ausführliche und positive Bewertungen der Schlüssel zu langfristigem Erfolg.
  • Präsentiere Deine (relevanten) Zertifikate:Personen mit höherem Bildungsgrad oder zertifizierten Fähigkeiten werden im Durchschnitt höher bezahlt; Achte darauf, auf alle relevanten Schulungs- und Zertifizierungsnachweise hinzuweisen, die Dir helfen können, einen höheren Stundenlohn zu rechtfertigen.
  • Drücke Dich überzeugend und sicher aus:Verwende Wörter wie „kann“ und „werde“ anstatt Dich vage auszudrücken.Die Verwendung definitiver Sprache vermittelt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und kann Auftraggeberdurchaus in ihrer Entscheidung beeinflussen.
  • Halte an Deinen Preisen fest:Wenn Du Dich für einen Job bewirbst, der mit einem geringerenBudget gelistet ist, als Du normalerweise annehmen würdest, oder wenn ein potenzieller Kunde einen Preisvorschlag von Dir zurückweist, solltest Du standhaft bleiben; Erläutere dem potentiellen Auftraggeber, warum Deine Stundensätze gerechtfertigt sind und wie sie sich in den Ergebnissen widerspiegeln werden.

Darüber hinaus sollten Frauen, die auf Seiten des Auftraggebers für die Vergabeentscheidungen Verantwortung tragen auch ihren Teil dazu beitragen, dass das bestehende Gehaltsgefälle gemindert wird. Frauen sollten Frauen helfen und dafür sorgen, dass diesen die gleiche Vergütung wie Männern angeboten wird. Wir müssen zusammenhalten und uns gegenseitig ermutigen, wenn wir dieses Lohngefälle sowohl in der normalen als auch in der digitalen Arbeitswelt verringern wollen. Wie schon die große Aretha Franklin sang: “Sisters are doin’ it for themselves.”

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